Einleitung:
Heute möchte ich gerne ein etwas älteres Projekt vorstellen, das ich in 2010 gebastelt hatte:In der Linux-Welt gab es 2010 einen Aufschrei, als es einen kleinen ARM-Computer, den "Seagate Dockstar" für unter 20€ zu kaufen gab. Seagate hatte dieses kleine Gerät ursprünglich dafür vorgesehen, das Kunden ihre externen 2,5 Zoll USB2.0 Seagate-Platten aufsetzen und per LAN oder Internet als NAS nutzen können.
Der Dockstar beinhaltet einen 1.2 GHz Marvell Kirkwood 6281 Prozessor, 128MB RAM, einen 1000MBit Ethernetanschluss, 3 USB2.0 sowie einen vierten Mini-USB2.0 an der Oberseite.
Auf dem Gerät war die PogoPlug-Software installiert, die sich allerdings einfach durch ein Debian-Linux austauschen ließ, wodurch der kleine Rechner zum universellen Mini-Heimserver wurde.
Mehr Infos gibt es hier:
http://www.mikrocontroller.net/topic/187115
http://www.vdr-portal.de/board19-verschiedenes/board52-andere-hardware/98996-seagate-dockstar-ein-linuxsystem-f%C3%BCr-unter-20-eur/
Überzeugende Leistungsdaten für einen Knallerpreis! Also schnappte ich mir einen solchen Dockstar für knapp 20€ und spielte damit. Die Festplatten wurden angeschlossen und als ob ein 20€ NAS nicht ausreichend ist - das Gerät als VDR-Backend mit einem DVB-T Stick genutzt. Das war aber noch nicht alles, denn WLAN fehlte, also kam noch schnell ein 300MBit USB-WLAN-Adapter hinzu und ich dachte mir, warum ihn nicht in den kleinen Dockstar integrieren? Und wenn ich schon dabei bin, könnte man doch auch gleich noch einen USB-Stick, auf dem das Debian Lenny Grundsystem läuft, mit einpflanzen. Gesagt, getan...
Der Umbau
Um an der Außenseite keinen der drei USB2.0-Anschlüsse zu verlieren, entschied ich mich, den USB-Stick und den WLAN-Stick über einen 4-Port USB-Hub an den vierten Port, der ungenutzt an der Oberseite des Dockstar herausschaute, anzuschließen. Dadurch mussten folgende Teile noch mit in das Gehäuse des Dockstar untergebracht werden:- Platine eines kompakten USB-Hubs
- USB-Stick
- WLAN-Adapter
Als USB-Hub nahm ich einen Noname-Hub mit drehbar angebrachten USB-Anschlüssen. Der Hub basiert auf dem GL850A Chipsatz der Firma Genesis Logic. Die Platine brachte es nach Ablöten aller Kabel auf kleine 3,8 x 4,6cm.
Als USB-Stick nahm ich einen Pico-C Stick von Super Talent mit 4 GB. Dieser ist echt winzig und flach und schaut eingesteckt gerade mal eineinhalb Zentimeter aus der USB-Buchse heraus.
Als WLAN-Adapter entschied ich mich primär aus Gründen der Linux-Unterstützung für einen TP-Link TL-WN821N V2, der auf Basis eines Atheros AR-9170 und mit zwei Antennen arbeitet. Dieser kann mit den carl9170 oder ar9170-Treibern des Linux Kernels verwendet werden und läuft darunter ganz ordentlich. Sogar AP mode ist damit möglich, d.h. der Dockstar könnte als WLAN-Router oder Access Point eingesetzt werden! Den Stick gab es zudem sehr preisgünstig (16€). Die Platine misst ohne den USB-Anschluss 6,6cm in der Länge und 2,1cm in der Breite.
Nachdem ich die idealen Positionen der einzelteile im Gehäuse grob ermittelt hatte, konnte ich erleichtert sagen, dass ich alles reinbekommen werde, ohne etwas an dem Gehäuse des Dockstars ändern zu müssen.
Es wird enger im Dockstar
Zunächst sollte der kleine USB-Speicher untergebracht werden. Dafür wurde er erst aus seinem Metallgehäuse befreit. Durch die sehr flache Bauform des Speichers war es möglich, ihn sogar zwischen die Platine des Dockstars und dem Bodenblech zu platzieren, was ich dann auch machte.Um die Wärmeableitung des Sticks zu verbessern (unter der Dockstar-Platine kann es wegen mangelnder Belüftung zum Wärmestau kommen) und damit die Zuverlässigkeit des Sticks zu maximieren (schließlich sollte auf ihm später das Debian-System des Dockstars laufen), wurde er mittels Wärmeleitpaste und zwei kleinen Tröpfchen Sekundenkleber an beiden Enden sicher auf dem Bodenblech befestigt.
Dann wurden seine Goldkontakte dazu genutzt, ein 4-adriges Kabel anzulöten. Bei der kurzen Kabellänge habe ich auf ein geschirmtes Kabel verzichtet. Dies war, wie spätere Langzeittests (s.u.) ergaben, auch nicht notwendig.
Durch eine kleine Aussparung des Bleches nahe des Reset-Schalters auf der rechten Seite des Dockstars habe ich das Kabel dann an die Oberseite geführt.
Dann war der USB-Hub an der Reihe. Dieser wurde auch aus seinem billigen Plastikgehäuse entfernt. Auf dem Bild erkennt man gut die vier beschrifteten Ports an den Ecken. Der Anschluss zum Host geschieht über den mittig gelegenen Port.
Der Hostanschluss wurde mit den Beinchen des beigen Steckverbinders (mittig auf der Dockstar-Platine) verbunden. Dabei natürlich die Polarität der USB-Anschlüsse beachten! Der Hub wurde daraufhin mit Kaptonfolie (nicht erkennbar) und Isoband von der Spannungsversorgungseinheit isoliert und per Schmelzkleber fixiert. Daraufhin wurde der USB-Stick an einen der vier USB-Ports des Hubs angelötet und ein "offener" Testlauf gestartet.
Der Test war erfolgreich, der Bootloader und das Debian-System wurden per TFTP aufgespielt und konfiguriert. Gut zu erkennen sind auch die kleinen Kühlkörper, die ich auf die CPU und den RAM mit einem Wärmeleitpad aufgeklebt habe. Die Temperaturen halten sich auch unter Last in Grenzen. Dies kann man z.B. mit einem
cat /dev/zero > /dev/null
testen.Zum Schluss kommt noch der USB-WLAN-Adapter ins Spiel, der seinen USB-Stecker hergeben musste um in das Dockstar-Gehäuse zu passen. Auch er findet seinen Platz an einem freien Port des USB-Hubs. Seine Antennen (die beiden goldenen Drahtschleifen auf der rechten Seite) sind praktischerweise nach oben gerichtet. Auch er wird entsprechend isoliert und mit Schmelzkleber fixiert. Er stützt sich auf der rechten Seite auf dem USB-Port ab.
Von der Seite sieht das Ganze dann so aus:
Man erkennt den RJ45-Anschluss (Ethernet) im Hintergrund. Dieser schließt mit der Unterseite des Dockstar-Gehäuseteils ab. Schließlich wurde das Gehäuse wieder geschlossen und der WLAN-Dockstar in Betrieb genommen. Seit über zwei Jahren mit diesem Mod läuft mein WLAN-Dockstar immernoch rock-solid, ich musste ihn bis jetzt nur zweimal wegen Updates neu booten:
Noch zum Schluss: Seit einem dreiviertel Jahr spiele und bastle ich jetzt immer mal wieder an meinem PandaBoard ES (http://pandaboard.org), das meinen Dockstar möglicherweise demnächst ablösen wird. Ob das PandaBoard aber in der Lage ist, so stabil und vorallem lange zu laufen wie mein Dockstar, bezweifle ich. Ich bin gespannt :-)


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